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    Kreuzzug gegen das christentum (deutsch) (1938)

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    Kreuzzug gegen das christentum (deutsch)

    Der Verfasser dieser Dokumentensammlung über moderne Christen- verfolgungen gehört keiner politischen Partei an. Als gläubiger Christ ist er sich seiner öffentlichen Verantwortung bewußt. Aus zuverlässigen Quellen werden die unfaßbaren Leiden glaubensstarker Mitmenschen in schlichten Worten berichtet.

    Die Stimme der Wahrheit hat ihren eigenen Klang und stärkste Wirkung. Sie wird viele Herzen erschüttern und die an den Verbrechen Schuldigen an die nie schlummernde, vergeltende Gerechtigkeit mahnen. Der Verfasser will nicht nur Mitleid erregen, sondern auch einen Weg aus dem Dunkel weisen. Denn solange es Menschen gibt, die für ihre Überzeugung alles, Arbeit, Brot, Freiheit, Familie, ja das Leben opfern, ist noch Hoffnung vorhanden!

    Aus dieser ernsten Schilderung trauriger Geschehnisse spricht ein frischer, weltbezwingender Glaubensmut. Menschen der Gegenwart kämpfen, leiden und sterben wie die unerschütterlichen Glaubenshelden der Vergangenheit. Obwohl viele, die sich Christen nennen, in der entscheidenden Prüfung versagten, leisten die unbekannten Zeugen Jehovas als christliche Märtyrer nach fünf Jahren Terror in Deutschland nach wie vor ungebrochenen Widerstand gegen Gewissenszwang und heidnischen Götzendienst.

    Kreuzzug Gegen Das Christentum

    MODERNE CHRISTENVERFOLGUNG

    Eine Dokumentensammlung

    FRANZ ZÜRCHER

    KREUZZUG GEGEN DAS CHRISTENTUM

    1 .–15. Tausend

    Alle Rechte, auch das der Übersetzung, vorbehalten

    Copyright 1938 by Europa-Verlag, Zürich-New York

    Printed in Switzerland Sonderausgabe

    Christus an der Geißelsäule

    Glückselig die um Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel. Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und jedes böse Wort lügnerisch wider euch reden werden um meinetwillen. Freuet euch und frohlocket, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln; denn also haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren.

    Jesus Christus.

    (Matthäus 5: 10-12)

    Vorwort des Verlages

    Die Tradition des Europa-Verlages, jeder Stimme von europäischer Bedeutung zu den geistigen und politischen Auseinandersetzungen unserer Zeit Gehör zu verschaffen, gebot uns, auch gläubigen Christen wie den Zeugen Jehovas unser Institut zur Verfügung zu stellen.

    Die Tatsache, daß gegen 6000 dieser Christen in Gefängnissen, Zuchthäusern und Konzentrationslagern dem nationalsozialistischen Terror mutig standhalten und weiter ihren christlichen Glauben bekennen, muß jedem Menschen, der für Glaubens- und Gewissensfreiheit eintritt, beachtlich sein.

    Um Mißdeutungen vorzubeugen, erklären wir, daß wir uns von den im Buche enthaltenen biblischen Auseinandersetzungen distanzieren, auch den Bestrebungen der Zeugen Jehovas (Bibelforscher) fernstehen!

    Europa-Verlag, Zürich-New York

    Zürich, 31. Mai 1938

    Inhaltsverzeichnis

    Seite

    Vorwort des Verlages 7

    ERSTES BUCH

    Historische Hintergründe

    Erstes Kapitel: Streitfrage 13

    Ursache der Verfolgung – Gottes Oberherrschaft

    Zweites Kapitel: Religion und Christentum 17

    Religion – Jüdische Religion – Antichrist – Weltliches Christentum – Wahres Christentum

    Drittes Kapitel: Obrigkeitliche Gewalten 21

    Gottes Obrigkeit – Gott oder Cäsar? – Daniel als „politischer Verbrecher” – Jesus als „Hochverräter” und „Volksaufwiegler” – Gewissenszwang – Stimmen aus der Bekenntniskirche

    Viertes Kapitel: Die Aufgabe des Christen 31

    Jehovas Zeugen – Organisation und Werk – Gegnerschaft – Moderne Ketzer

    Fünftes Kapitel: Die Verschwörung 37

    Vatikanische Weltpolitik – Katholizismus und Faschismus – Kreuzzug gegen den Bolschewismus – Spanische Verschwörung – Vatikan und Nationalsozialismus

    Sechstes Kapitel: Systematische Vorbereitung der Christenverfolgungen 59

    Gutachten – Fritsch – Fleischhauer – Tödtli – Antichristentum

    ZWEITES BUCH

    Christenverfolgung nach römischem Muster

    Siebentes Kapitel: Verbote und Beschlagnahmungen 75

    Eidesstattliche Versicherung – Bücherverbrennung

    Achtes Kapitel: Verfolgungsberichte 87

    Grußzwang – Bibelstudium als Verbrechen – Bibelforscher vor dem Sondergericht –- Hohe Strafen – Das „staatsgefährliche” Abendmahl – Das Gedächtnismahl zu dritt •– Fort mit der Bibel! – Fünf Jahre Gefängnis für Bibelforschung – Begräbnisteilnahme verboten – „Lieber aufs Schafott als Jehova die Treue brechen” – Terror – Der prügelnde Staatsanwalt – Ein Harmonium als staatsfeindliches Vermögen – Der Dank des Vaterlandes – Wahlterror und Boykott

    Neuntes Kapitel: Moderne Inquisitionsmethoden 137

    Nach zwei Monaten Folter fünf Jahre Gefängnis – Großinquisitor

    Theiß und Kumpane – Die „Steinwache” in Dortmund als Folterkammer – Der Bericht einer Frau – Schulungslager – Auf der Flucht erschossen – Kinderraub – „Ich kann das nicht mehr ertragen” – Die Eltern ins Gefängnis, die Kinder ins Waisenhaus – Flucht ins Ausland als einziger Ausweg – So werden Familien auseinander gerissen

    Zehntes Kapitel: Ermordet, weil sie Christen waren 169

    „Am ... morgens ... im Flur tot aufgefunden” – Mord in der „Steinwache” in Dortmund

    Elftes Kapitel: Verantwortlichkeit der Führer 185

    Proteste an Reichskanzler Hitler

    Zwölftes Kapitel: Proteste an den Völkerbund 197

    Petition – Auflösung – Rechtliche Verteidigung – Weitere Verletzungen – Menschenraub durch deutsche Gestapo – Berichte über Christenverfolgungen in der „Freien” Stadt Danzig

    Schlußwort: An Menschen guten Willens 211

    Resolution

    ERSTES BUCH

    Historische Hintergründe

    I. KAPITEL

    Streitfrage

    Diese Veröffentlichung authentischer Berichte über gegenwärtige grausame Christenverfolgungen und die Bloßstellung der merkwürdigen und seltsamen Bundesgenossen in dem Kreuzzug gegen das Christentum bezweckt weder politische Propaganda noch religiöse Werbung. Die ungeschminkte Wahrheit über das ruchlose Treiben der modernen Kreuzritter soll vor allem die große, im Anfang der Menschheitsgeschichte aufgeworfene Streitfrage erhellen, zur Rechtfertigung Gottes gereichen und die siegreiche Kraft Christi beweisen.

    Jede gerechtdenkende und menschlich empfindende Seele wird beim Lesen dieser beweiskräftigen Anklageschrift die unmenschlichen und antichristlichen Greueltaten von ganzem Herzen verabscheuen und mit den armen Verfolgten Gott anrufen, daß die Verfolger bald gerichtet werden und daß Gerechtigkeit und Wahrheit endlich triumphieren möchten.

    Das Auffällige oder Charakteristische an diesem zeitgenössischen Bericht über wirkliche Christenverfolgung ist die erhebende Tatsache eines Glaubensmärty rertums, das sich auch durch den schlimmsten Terror nicht brechen läßt und somit den einzigartigen Beweis erbringt, daß es auch heute Menschen auf der Erde gibt, die ihre Rechtschaffenheit dem Schöpfer und seinen Gesetzen gegenüber unter den widrigsten Umständen bewahren, und das ist wahres Christentum. Der Wert oder Nutzen solcher entsetzlichen Leiden um Christi willen, und andererseits die zum Himmel schreiende Schuld der Verfolger, der Feinde Gottes und Christi, kann wohl nur von Menschen ermessen und verstanden werden, die an die in der Heiligen Schrift geoffenbarte göttliche Wahrheit glauben und entweder Christen oder doch Menschen guten Willens sind, die dem Schöpfer die ihm gebührende Ehre geben wollen.

    Das Recht ist immer auf Gottes Seite und auf der Seite derer, die Gerechtigkeit und Wahrheit lieben und ihre Selbstlosigkeit im Leben oder Sterben unter Beweis stellen.

    Der Gründer des Christentums erbrachte als vornehmster Wahrheitszeuge diesen Beweis. Vor den Gerichtsschranken seiner Zeit sprach er ohne Scheu: „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, auf daß ich der Wahrheit Zeugnis gebe” (Johannes 18: 37).

    Wegen seiner unerschrockenen Wahrheitsverkündigung wurde er nach dreieinhalb Jahre langem Wirken durch die damalige Verschwörung der religiösen und politischen Machthaber umgebracht. Niemand kann es nun als Selbstüberhebung ansehen, wenn die in diesem Buche geschilderten Verfolgungen als die von dem Herrn und Meister vorhergesagten Leiden seiner wahren Nachfolger bezeichnet werden.

    Ursache der Verfolgung

    Um ein klares Bild sowohl von den Verfolgern als auch von den Verfolgten und ihrer Stellungnahme in dem großen, die ganze Menschheitsgeschichte überragenden Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Wahrheit und Lüge zu erhalten, ist es zunächst notwendig, den Ursprung des Bösen, aller Verbrechen und Gesetzlosigkeit zu kennen, so wie dies in dem vornehmsten Gesetzbuch aller Zeiten, der Bibel, dargelegt ist.

    Diese Urgegnerschaft wird auf den ersten Blättern der Heiligen Schrift in folgenden symbolischen Worten zum Ausdruck gebracht: „Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen” (1. Mose 3: 15). So wurde die Verfolgung der treuen Diener Gottes auf der Erde angedeutet. Die eigentlichen Gegner in diesem gigantischen Kampf sind also Gott und Satan (Luzifer); der Kriegsschauplatz ist Himmel und Erde, und die Streitfrage betrifft die Oberherrschaft Gottes.

    Gottes Oberherrschaft

    Wer ist der Höchste? Wem gehört die Erde, und wer hat das Recht, über die Menschen unumschränkt zu herrschen? – Darauf antwortet die Heilige Schrift, die Jesus als Gottes Wahrheit bezeichnet (Johannes 17: 17): „Siehe, Jehovas, deines Gottes, sind die Himmel und die Himmel der Himmel, die Erde und alles, was in ihr ist” (5. Mose 10: 14). Jehova ist der Name des allmächtigen Gottes, des Schöpfers von Himmel und Erde. Er ist der Höchste, der Quell des Lebens. Vielen Menschen ist jedoch der Name Jehova gänzlich unbekannt, und diese Unwissenheit rührt daher, daß Religionslehrer verfehlt haben, die Wahrheiten der Bibel zu lehren und dafür Menschensatzungen, heidnische Philosophie, kirchlich-politische Traditionen und dämonische Mythologie vertraten.

    Der allmächtige Gott hat sich selbst in seinem Worte unter folgenden Namen geoffenbart: Gott (das heißt Schöpfer), Allmächtiger (das ist der, dessen Macht unbegrenzt ist), Höchster (das bedeutet der, der über dem ganzen Weltall steht) und Jehova, welcher Name sich auf sein Vorhaben mit seinen Geschöpfen bezieht.

    Nachdem Luzifer die ersten Menschen zu Fall gebracht hatte, forderte er Jehova Gott heraus, doch einen Menschen auf die Erde zu bringen, der seine Lauterkeit Gott gegenüber unter allen Umständen bewahren würde; denn Luzifer, der nun Satan, Teufel, Schlange und Drache genannt wurde, erklärte, daß er alle Menschen dahin bringen könne, sich von Gott loszusagen (Hiob 2:5).

    Es gefiel Gott, diese Herausforderung anzunehmen, die Vollstreckung des über Satan verhängten Todesurteils aufzuschieben und allen Geschöpfen eine günstige Gelegenheit zu verschaffen, sich entweder für oder gegen Gott zu entscheiden. Darum sagte Gott zum Teufel: „Eben deswegen habe ich dich bestehen lassen, um dir meine Kraft zu zeigen, und damit man [meine Zeugen] meinen Namen verkündige auf der ganzen Erde” (2. Mose 9: 16).

    So erklärte Jehova, daß er seinem Feinde eine Frist setzen würde, seine Verleumdung zu beweisen, worauf er seine Oberhoheit und Allmacht vor der ganzen intelligenten Schöpfung demonstrieren und dadurch die große Streitfrage endgültig entscheiden werde. Nur von diesem Gesichtspunkt aus läßt sich die Zulassung des Bösen erklären, und nur in diesem Zusammenhang kann man verstehen, warum es so viele Religionen gibt und die Nachfolger Christi von Religionisten stets verfolgt worden sind.

    KAPITEL II

    Religion und Christentum

    Religion

    Wie der Titel dieses Buches besagt, ist ein Kreuzzug gegen das Christentum im Gange.

    Manche hervorragenden Schriftsteller erkannten teilweise den Gegensatz zwischen Religion und dem Bibelchristentum und versuchten den Begriff Religion zu definieren. Der Schweizer Theologe Dr. Arno Clemens Gaebelein zum Beispiel führt in seinem neuen Werke „Christentum oder Religion”, auf Seite 12, eine Reihe von Erklärungen berühmter Männer über Religion an und sagt dann: „Alle diese Erklärungen sind unvollständig; und das gilt auch für alle übrigen Definitionen, die von Philosophen und Theologen dargeboten worden sind. Wir warten noch immer auf eine vollständige Antwort auf die Frage: Was ist Religion?” Auf Seite 111 fährt Dr. Gaebelein fort und erklärt: „Es ist aber verkehrt, das Christentum eine Religion zu nennen oder Christus einen Religionsstifter zu heißen.” Das Christentum sei nicht eine Religion, sondern eine übernatürliche Offenbarung, der Inbegriff dessen, was Gott den Menschen mitzuteilen habe. Ferner sagt er, die Religionsgeschichte lehre, daß das Menschengeschlecht im Anfang Gott kannte und dann die ursprüngliche Erkenntnis Gottes als Schöpfer preisgab, und daraus folgten „Vielgötterei und andere Arten falscher Gottesanbetung”.

    Die Tatsache, daß die Staaten wohl religiös, aber nicht christlich sind, hob auch Pestalozzi hervor, wenn er sagte: „Warum sollte man die Wahrheit verhehlen? Die Welt wird nicht christlich regiert; die Regierungen als solche sind nicht christlich, und der Staat als Staat handelt in seinen wesentlichsten Einrichtungen bestimmt wider das Christentum. Eine christliche Armee, eine christliche Schlacht, christliche Feldprediger, christliche Finanz- und Kabinettsoperationen, christliche Polizeimaute und christliche Maßnahmen, den blinden Gehorsam der Untern und das Allmachtsrecht der Obern auf Kind und Kindeskind zu sichern, das alles sind Sachen, die –wie der Mann im Mond – nur in der Einbildung verirrter Leute ihr Dasein haben. Die Geistlichen wissen das gewöhnlich sehr wohl, wenn sie die Großen entschuldigen, aber sie vergessen es immer, wenn sie die Kleinen anklagen.”

    Jüdische Religion

    Auch ist jedem Bibelkenner der Gegensatz zwischen der jüdischen Religion und dem Christentum geläufig. Die Gegner und Verfolger Christi Jesu waren religiöse Juden. Ihnen sagte Jesus, daß sie Kinder des Teufels seien (Johannes 8: 42-44). Paulus war, als er noch Saulus hieß, ein Anhänger der jüdischen Religion und verfolgte die Christen. Als Gott ihm aber die Wahrheit offenbarte, wurde er Christ und bekehrte sich augenblicklich, um Gott in Geist und Wahrheit zu dienen. Seine eigene Aussage in dieser Angelegenheit ist aufschlußreich: „Denn ihr habt von meinem ehemaligen Wandel in dem Judentum gehört, daß ich die Versammlung Gottes über die Maßen verfolgte und sie zerstörte, und in dem Judentum [das ist der jüdischen Religion] zunahm über viele Altersgenossen in meinem Geschlecht, indem ich übermäßig ein Eiferer für meine väterlichen Überlieferungen war” (Gal. 1: 13-15).

    Bei der Ausübung der jüdischen Religion wurde Paulus nie verfolgt; aber als er Christ wurde, mußte er seitens der religiösen Juden bittere Verfolgungen erleiden, weil er nun den Menschen die Wahrheit sagte. Jesus sagte voraus, daß alle seine wahren Nachfolger durch Religionisten verfolgt werden würden, und so ist es auch stets gewesen (Johannes 15: 19, 20).

    Antichrist

    Satan hat durch List die Versammlungen der ersten Christen beeinflußt und ehrgeizige, selbstsüchtige Leiter der Gemeinden unter seine Botmäßigkeit gebracht, indem er eine Hierarchie bilden ließ, wodurch Menschen mehr geehrt wurden als Gott. Dieser Abfall vom wahren Christentum wird in der Bibel als „Antichrist” bezeichnet und durch die Zeugnisse der Weltgeschichte bestätigt. Hierüber schreibt J. F. Rutherford in seinem Buche „Befreiung” (Seiten 197 bis 199):

    „Antichrist bezeichnet das, was als Ersatz für Christus, den Messias, angeboten wird und demnach im Gegensatz zu ihm steht. Satan der Feind machte sich ans Werk, ,das Geheimnis der Gesetzlosigkeit’ zu organisieren, etwas, was gegen Christus zur Geltung kommen sollte.”

    Als Satan sah, daß die Christen an Zahl zunahmen, ging er daran, ihre Organisation zu verderben und Menschen von Gott und Christus abzulenken. Das tat er, um seine ruchlose Herausforderung an Jehova wahrzumachen. Nach dem Tode der Apostel standen unter den christlichen Leuten selbstsüchtige und ehrgeizige Männer auf, die bald dem listigen und betörenden Einfluß des Teufels erlagen. Was angeblich die christliche Kirche sein sollte, wurde bald zu einer politischen und kommerziellen Einrichtung, gerade so wie die Juden den Tempel Jerusalems zu einem Kaufhause und einer Räuberhöhle gemacht hatten. Ungefähr um das dritte Jahrhundert traten die Religionsführer der Christenheit in das politische Leben und befaßten sich seither stets mit der Politik dieser Welt.

    Weltliches Christentum

    Der Apostel Jakobus spricht zu solchen: „Ihr Ehebrecherinnen, wisset ihr nicht, daß die Freundschaft der Welt Feindschaft wider Gott ist? Wer nun irgend ein Freund der Welt sein will, stellt sich als Feind Gottes dar” (Jakobus 4: 4). Wenn hier von Ehebruch die Rede ist, bezieht sich das nicht auf einen Mangel an buchstäblicher Keuschheit, sondern auf ein unerlaubtes Verhältnis zwischen Kirche und dem weltlichen Staat. Es bedeutet, daß diese kirchlichen Systeme Freundschaft geschlossen haben mit der Welt, das heißt, daß sie sich mit den politischen und kommerziellen Machtgruppen der Welt verbanden.

    Wahres Christentum

    Den besten Beweis aber, daß weder die religiöse noch die politische Welt christlich ist, sondern unter Satans Einfluß steht, liefern Jesu eigene Worte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt” (Johannes 18: 36).

    Sowohl Jesus als auch Paulus bezeichneten Satan als Gott und Fürst dieser argen, bösen Welt (Johannes 16: 11; 2. Korinther 4:4), der die Menschen betrügt und sie gegen die Wahrheit des Christentums blind macht.

    Bezug nehmend auf den Gegensatz zwischen der Welt und dem Christentum, sagte Jesus ferner: „Weil ihr [meine Nachfolger] nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt auserwählt habe, darum haßt euch die Welt ... Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen” (Johannes 15: 19, 20). „Sie sind nicht von der Welt, gleichwie ich nicht von der Welt bin” (Johannes 17: 16).

    Das Christentum fordert das Befolgen der Gebote Gottes, denen weltliche Regeln und Überlieferungen oftmals widersprechen. „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt” (Johannes 14: 21).

    Das erste Gebot lautet: „Du sollst keine andern Götter haben neben mir. – Du sollst dir kein geschnitztes Bild machen, noch irgend ein Gleichnis dessen, was oben im Himmel, und was unten auf der Erde, und was in den Wassern unter der Erde ist. Du sollst dich nicht vor ihnen niederbeugen und ihnen nicht dienen” (2. Mose 20: 3-5). Und Petrus lehrt im Neuen Testament, daß in keinem andern Namen Heil und Rettung sei, außer in dem Namen Jesu (Apostelgesch. 4: 12).

    Dieses Gebot besagt, daß weder Geschöpfe noch Bilder noch andere Symbole in religiöser und politischer Beziehung angebetet oder verehrt werden dürfen, und daß ein Christ nur von Gott und Christus Heil und Rettung erwarten darf. Weil nun Satan viele Menschen dazu verführt hat, Menschen anstatt Gott zu verehren, warnt die Heilige Schrift immer wieder vor dem Götzendienst und Menschenkult, die mit wahrem Gottesdienst und dem Christentum unvereinbar sind. „Darum, meine Geliebten, fliehet den Götzendienst” (1. Kor. 10: 14).

    Wie aber soll ein Christ sich verhalten, wenn der Staat sich darauf beruft, eine „von Gott verordnete” Obrigkeit zu sein, und gleichzeitig Dinge verlangt, die gegen das Gebot Gottes verstoßen?

    Ob ein Christ sich in allen Dingen der Autorität des Staates zu unterwerfen hat oder nicht, soll im nächsten Kapitel erörtert werden.

    III. KAPITEL

    Obrigkeitliche Gewalten

    Seit vielen Jahrhunderten haben sich die verschiedenen Regierungen der „Christenheit” auf die Worte des Apostels Paulus in Römer 13: 1 berufen: „Jede Seele unterwerfe sich den obrigkeitlichen Gewalten; denn es ist keine Obrigkeit, außer von Gott, und diese, welche sind, sind von Gott verordnet.”

    Die Kaiser und Könige stützten darauf das „Gottesgnaden- tum”, als ob jede weltliche Macht ihre Autorität von Gott erhalten habe, auch wenn sie die Gesetze Gottes und Christi außer acht läßt, sehr eigenmächtig und willkürlich nach eigenem Gutdünken herrscht und durch menschliche Gesetze die Gesetze Gottes für ungültig erklärt.

    Gottes Obrigkeit

    Die Anweisung des Apostels in Römer 13 richtet sich aber nicht an die Menschen im allgemeinen, sondern wie Paulus eingangs der Epistel schreibt, an die „Geliebten Gottes”, also an gottergebene Christen.

    Der Kernpunkt seiner Ausführungen ist in Wirklichkeit die Frage, welchem Bürgertum oder welcher Macht ein Christ untertan sein müsse. Alle Macht oder Autorität geht ohne Zweifel von Jehova Gott aus. Die weltlichen Regierungen aber, z. B. die Vereinigten Staaten, Sowjetrußland und Deutschland, haben ganz verschiedene Gesetze, die sich teilweise widersprechen. Sind nun alle diese Obrigkeiten von Gott verordnet, auch dann, wenn sie nichts von Gott wissen wollen oder Gesetze anwenden, die in offenem Widerspruch zu den Gesetzen Gottes stehen? Ist Franco oder die bürgerliche Republik von Gott verordnet? in Rußland die zaristische oder die Stalinregierung? in Deutschland die Monarchie, die Republik oder das Hitlerregime?

    Gott ist ein Gott der Ordnung, und bei ihm gibt es weder Widerspruch noch Verwirrung. Es ist klar, daß die Worte des Apostels falsch ausgelegt worden sind, und es ist vernünftiger, anzunehmen, daß sie sich nicht auf die weltlichen Obrigkeiten beziehen, sondern ausschließlich auf die Autorität und Gewalt Gottes.

    Nachdem Jesus von den Toten auferweckt war, sprach er zu seinen Jüngern: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden” (Matth. 28: 18). Diese Gewalt erhielt er von Jehova.

    Das Wort „Gewalt” ist die Übersetzung des griechischen Wortes exousia; und die Erörterung des Apostels Paulus in unserem Text und seinem Zusammenhang zeigt, daß die hier erwähnte Gewalt auf die Autorität Bezug nimmt, die in der Organisation Gottes besteht und ausgeübt wird. Von Jesus steht geschrieben: „Durch ihn sind alle Dinge geschaffen worden, die in den Himmeln und die auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten [Obrigkeiten]: alle Dinge sind durch ihn und für ihn geschaffen” (Kol. 1: 16). „Gleichwie du ihm Gewalt gegeben hast über alles Fleisch, auf daß er allen, die du ihm gegeben, ewiges Leben gebe” (Johannes 17:2). Diese Schriftstellen beweisen, daß Jesus Christus die „obrigkeitlichen Gewalten” innehat, und daß Jehova die höchste oder erhabenste Obrigkeit ist. Die „obrigkeitlichen Gewalten” können daher sowohl auf Jehova als auch auf Jesus bezogen werden, weil Christus Jesus stets den Befehl seines Vaters aus- führt. Paulus sagt ferner, daß die von ihm gemeinte Obrigkeit stets eine Rächerin des Bösen und Belohnerin des Guten sei, was, auf weltliche Staaten angewandt, kaum zutrifft.

    Die Worte des Apostels in Römer 13 müssen daher bedeuten, daß jedes Geschöpf in der Organisation Gottes dem Herrn Jesus Christus, dem Fürsten, Herrscher oder Haupt dieser Organisation untertan sein muß (1. Petr. 2: 13,17).

    Gott oder Cäsar?

    Auf die heuchlerische Frage der Religionisten, die Jesus mit den Staatsbehörden in Konflikt bringen oder das Volk aufhetzen sollte – je nachdem wie seine Antwort ausfiele –, antwortete Jesus: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist , das heißt zahlt die Steuern an Rom, aber „gebt Gott, was Gottes ist”, das heißt gebt ihm die Ehre der Anbetung, seid ihm untertan und haltet seine Gebote!

    Nirgends wird in der Heiligen Schrift dem Christen geboten, unter allen Umständen dem Staat gehorsam zu sein, sondern es wird oft hervorgehoben, daß man Gott mehr gehorchen müsse als Menschen.

    Wie handelten die Propheten, Jesus und die Apostel, wenn an sie die Gewissensfrage herantrat: Gott oder Cäsar?

    Im Widerspruch zu Jehovas Gebot, daß man ihn allein anbeten solle, ließ Nebukadnezar, der König von Babylon, also die damalige Regierung, in der Ebene Dura, dort wo Nimrod seinerzeit die Teufelsanbetung einführte, ein großes goldenes Bild aufstellen und befahl allen Staatsbürgern, das Bild anzubeten: „Sobald ihr den Klang des Hornes, der Pfeife, der Zither, der Sambuke, der Laute, der Sackpfeife und allerlei Art von Musik hören werdet, sollt ihr niederfallen und das goldene Bild anbeten” (Daniel 3:5).

    Die Musik und sonstige psychologische Propaganda waren die Mittel damals – genau wie heute –, um die Masse des Volkes zu berauschen und zur Anbetung der Staatsautorität kirre zu machen.

    Drei Männer, Daniels Freunde Sadrach, Mesach und Abednego, weigerten sich jedoch zu gehorchen und ihre Knie vor dem Standbild zu beugen.

    Das Gesetz lautete: „Wer nicht niederfällt und anbetet, der soll sofort in den brennenden Feuerofen geworfen werden” (Daniel 3:6).

    Sadrach, Mesach und Abednego wurden von den chaldä- ischen Schriftgelehrten mit folgenden Worten angezeigt: „Diese Männer, o König, achten nicht auf dich; deinen Göttern dienen sie nicht, und das goldene Bild ... beten sie nicht an” (Daniel 3: 10-12).

    Die Antwort der drei mutigen Hebräer vor dem König, als sie sich verantworten mußten wegen ihrer scheinbaren Staatsfeindlichkeit, ist ein maßgebendes Beispiel für alle aufrichtigen Diener Gottes. Sie sprachen: „Ob unser Gott, dem wir dienen, uns aus dem brennenden Feuerofen zu erretten vermag – und er wird uns aus deiner Hand, o König, erretten – oder ob nicht, es sei dir kund, o König, daß wir deinen Göttern nicht dienen und das goldene Bild, welches du auf gerichtet hast, nicht anbeten werden” (Daniel 3: 17,18).

    Daniel als „politischer Verbrecher”

    In ähnlicher Weise wurde der Prophet Daniel erprobt, ob er Gott mehr als dem König gehorchen würde.

    Seine Amtskollegen, die Satrapen, verschworen sich, Daniel umzubringen. „Da suchten die Vorsteher und die Satrapen einen Anklagegrund gegen Daniel von Seiten der Verwaltung zu finden; aber sie konnten keinen Anklagegrund und keine schlechte Handlung finden, weil er treu war und kein Vergehen und keine schlechte Handlung an ihm gefunden wurden. Da sprachen diese Männer: Wir werden gegen diesen Daniel keinen Anklagegrund finden, es sei denn, daß wir in dem Gesetz seines Gottes einen gegen ihn finden’ (Daniel 6: 5, 6).

    Die Verschwörer kannten Daniels Gehorsam Gottes Gesetz gegenüber, und so empfahlen sie einen Reichserlaß zum Schutze der Regierung, der dem Gesetz Gottes zuwiderlief, und hofften, Daniel so zu fangen.

    Die „Notverordnung” lautete damals, daß ,ein jeder im Lande, der binnen dreißig Tagen von irgendeinem Gott oder Menschen etwas erbittet, außer von dem König, in die Löwengrube geworfen werden sollte’ (Daniel 6: 8).

    Wenn gesetzgebende Körperschaften eine ungewöhnliche, drastische Maßnahme beschließen sollen, wird stets behauptet, es läge „ein Notstand” vor, weswegen gehandelt werden müsse. Dieselbe Taktik wurde in den Tagen Daniels einge- schlagen. Die Verschwörer rechneten damit, daß dreißig Tage genügen würden, Daniel oder andere treue Anbeter Jehovas „hereinzulegen”, weil Daniel während dieser Zeit offen zu Jehova beten würde und sie damit einen Schuldbeweis gegen ihn hätten.

    Die Verschwörer der Gegenwart gehen ebenso vor und haben bereits in etlichen Diktaturstaaten „gesetzliche” Mittel gefunden, wonach es strafbar ist, den alleinwahren Gott Jehova im Geist und in der Wahrheit anzubeten.

    Gott läßt es geschehen, daß die irdischen Machthaber ihren eigenen Lauf verfolgen und gemäß ihren selbstsüchtigen Ideen Gesetze aufstellen, die für wahre Knechte Gottes eine Erprobung sind und ihnen Gelegenheit verschaffen, trotz Hindernissen zur Rechtfertigung des Höchsten an ihrer Geradheit vor Gott festzuhalten.

    Wäre Daniel ein Heuchler gewesen, so hätte er ja im geheimen beten und äußerlich das Gebot des Königs halten können. Daniel, der Staatsbeamte, hatte jedoch keine Furcht, wie der weitere Bericht zeigt:

    „Und als Daniel erfuhr, daß die Schrift [das neue Verbot] aufgezeichnet war, ging er in sein Haus; und er hatte in seinem Obergemach offene Fenster gegen Jerusalem hin; und dreimal des Tages kniete er nieder und betete und lobpries vor seinem Gott, wie er vordem getan hatte” (Daniel 6: 11).

    Die Strafanzeige gegen Daniel lautete: „Daniel, einer der Weggeführten von Juda, achtet nicht auf dich, o König, noch auf das Verbot, welches du hast auf zeichnen lassen; sondern er verrichtet dreimal des Tages sein Gebet” (Daniel 6: 14).

    Das genügte, um Daniel in die Löwengrube zu werfen. Aber durch Jehovas Macht wurde Daniel bewahrt; er ,wurde aus der Grube herausgeholt; und keine Verletzung wurde an ihm gefunden, weil er auf seinen Gott vertraut hatte’ (Daniel 6: 24).

    Über solche treuen Propheten berichtet Paulus in Hebräer 11: 33, daß sie „durch Glauben Königreiche bezwangen, Gerechtigkeit wirkten, Verheißungen erlangten, der Löwen Rachen verstopften”.

    Auch Jeremia hatte eine ähnliche Erfahrung mit den Stadtbehörden Jerusalems, weil er im Auftrage Gottes das Gericht über die Stadt und über den Tempel kundtun mußte. Der biblische Bericht beweist, daß Jeremia wegen seiner Treue Gott gegenüber von der Obrigkeit zum Tode verurteilt werden sollte.

    „Und es geschah, als Jeremia alles zu Ende geredet, . . . da ergriffen ihn die Priester und die Propheten und alles Volk und sprachen: Du mußt gewißlich sterben. ... Und die Priester und die Propheten redeten zu den Fürsten und zu allem Volke und sprachen: Diesem Manne gebührt die Todesstrafe, denn er hat wider diese Stadt geweissagt, ... Und Jeremia ... sprach: Jehova hat mich gesandt, ... Ich aber, siehe, ich bin in eurer Hand; tut mir, wie es gut und wie es recht ist in euren Augen. Doch wisset bestimmt, daß ihr, wenn ihr mich tötet, unschuldiges Blut bringen werdet auf euch und auf diese Stadt und auf ihre Bewohner; denn in Wahrheit, Jehova hat mich zu euch gesandt, um alle diese Worte vor euren Ohren zu reden. Und die Fürsten und alles Volk sprachen zu den Priestern und zu den Propheten: Diesem Manne gebührt nicht die Todesstrafe; denn er hat im Namen Jehovas, unseres Gottes, zu uns geredet” (Jeremia 26: 8, 9, 11-16).

    Jesus als „Hochverräter” und „Volksaufwiegler”

    Das hervorragendste Beispiel aber, daß ein Christ nicht unter allen Umständen der weltlichen Obrigkeit untertan sein kann, ist die Verurteilung Jesu Christi, der durch das Betreiben der jüdischen Geistlichkeit von Pilatus wegen Hochverrates zum Tode verurteilt wurde (Johannes 18: 30-40; 19: 1-16).

    Hierüber schreibt der Schriftsteller Bernard Shaw im Vorwort seines Buches „On the Rocks” folgendermaßen:

    „Nimm den Fall der Austilgung von Jesus Christus. Kein Zweifel, es sprachen starke Umstände dafür. Vom Standpunkt der Hohenpriester aus war Jesus ein Ketzer und Betrüger. Die Kaufleute sahen in ihm einen Aufwiegler und Kommunisten. Vom Standpunkt des Römischen Reiches aus war er ein Verräter. Der gesunde Menschenverstand sah in ihm einen gefährlichen Narren. ... Von jedem Standpunkt aus gesehen, von dem des Gesetzes, der Politik, der Religion, der herkömmlichen Sitte und der Verfassung, war er der erbittertste Feind der Gesellschaft dieser Zeit, den sie je vor die Gerichtsschranken gezerrt hatte. ...

    War er unschuldig, dann war die ganze Welt schuldig. Ihn freizusprechen, hätte geheißen, die Zivilisation aufzugeben und alle ihre Einrichtungen. Die Geschichte hat seinen Fall ausgetragen, denn kein Staat hat sich je auf seinen Grundsätzen aufgebaut oder es möglich gemacht, nach seinen Geboten zu leben; jene Staaten, die seinen Namen angenommen haben, nützen ihn nur als Aushängeschild, um imstande zu sein, seine Anhänger glaubwürdiger zu verfolgen.”

    Gewissenszwang

    Die Umstände mögen heute etwas anders scheinen als zur Zeit Jesu, aber im Grunde müssen die Nachfolger Christi heute wiederum den entschiedenen Standpunkt auf Gottes Seite einnehmen, auch wenn die Spötter mit leichtfertigem Achselzucken und mit der hohn vollen Frage „Was ist Wahrheit?” sich über die Gewissensnot der Christen der Gegenwart hinwegsetzen und die aus der entschiedenen christlichen Stellungnahme entstehenden Verfolgungen als selbstverschuldet hinzustellen belieben.

    Heute herrschen wieder Kaiser der Gewalt im Süden, im Norden und im Osten. Rücksichtslos schreiten diese Diktatoren der selbstherrlichen Macht hinweg über die Schwachen, über die Minderheiten, über den einzelnen, der sich nur auf das Recht stützt. Diese Tyrannen beanspruchen nicht nur das, was des Kaisers, sondern auch das, was Gottes ist. Die faschistische Tendenz der heutigen Zeit geht ohne Zweifel dahin, die persönliche Freiheit aufzuheben, das Recht des einzelnen zu beugen und alle, die sich diesem Geist der dynamischen Gewalt widersetzen, auf dem Altar des Molochs der zentralisierten Macht zu opfern.

    Wenn der Staat keine höhere Autorität über sich anerkennt, so sagt er damit „Es ist kein Gott”, oder er macht sich selbst zum Gott und zwingt seine Bürger, sich auch in Glaubensund Gewissenssachen dem Diktat des Staates zu unterwerfen.

    So werden zwangsläufig Christen, die lieber sterben als Gott verleugnen, zu Verbrechern und zu Staatsfeinden gestempelt.

    Der Staat erhebt damit das Unrecht oder die Gottlosigkeit zur Satzung oder zum Staatsgesetz.

    „Sollte mit dir vereint sein der Thron des Verderbens, der aus Frevel eine Satzung [Gesetz] macht?” (Psalm 94: 20).

    Wo immer auch der Staat sich göttliche Autorität anmaßt, wird er auf den unerschütterlichen Widerstand seiner edelsten Bürger, all derer stoßen, die das Bekenntnis Jesu Christi haben und an seinen Geboten um jeden Preis festhalten.

    Stimmen aus der Bekenntniskirche

    Luther prophezeite, daß über Deutschland wegen Verachtung der Bibel eine gräßliche Finsternis kommen würde.

    Seine Voraussage ist in Erfüllung gegangen, und den Notschrei der bedrängten, bibelgläubigen Bekenntnischristen in Deutschland hören wir in folgenden Aussprüchen:

    „Das deutsche Volk steht vor einer Entscheidung von größter geschichtlicher Bedeutung. Es geht darum, ob der christliche Glaube in Deutschland Heimatrecht behalten soll oder nicht. Mit einer Wucht und Planmäßigkeit ohnegleichen wird das Evangelium von Jesus Christus heute bei uns bekämpft. Machtmittel des Staates und der Partei werden weithin eingesetzt gegen das Evangelium von Jesus Christus und gegen die, die sich zu ihm bekennen ... In dem Lande Martin Luthers wird es der evangelischen Christenheit verwehrt, in öffentlichen Versammlungen das Evangelium zu bezeugen ... Christen sind es schuldig, zu widerstehen, wenn von ihnen etwas verlangt wird, was wider das Evangelium ist ... Auch das ist Treue, wenn der Christ einem Gebot, das gegen Gottes Wort ist, widersteht und seine Obrigkeit dadurch zum Gehorsam gegen Gott zurückruft ...” (Aus einem evangelischen Kanzelaufruf.)

    „Auch eine große Sache muß, wo sie sich gegen den offenbarten Willen Gottes stellt, am Ende das Volk ins Verderben führen. Gottes Kirche wird bestehen, auch wenn unter dem Versuch, das deutsche Volk zu entchristlichen, Millionen evangelischer Christen ihr Heil verlieren müßten. Das deutsche Volk aber hat nicht die Verheißung, daß ihm das Gift eines antichristlichen Geistes nicht schaden werde ... Unser Volk droht die ihm von Gott gesetzten Schranken zu zerbrechen: Es will sich selbst zum Maß aller Dinge machen. Das ist menschliche Überheblichkeit, die sich gegen Gott empört. In diesem Zusammenhang müssen wir dem Führer und Reichskanzler unsere Sorge kundtun, daß ihm vielfach Verehrung in einer Form dargebracht wird, die allein Gott zukommt...”. (Aus einer Protestschrift der Bekenntniskirche an Hitler.)

    „Die Presse darf seit zwei Jahren über die kirchlichen Vorgänge kein Jota berichten ... Ein Flugblatt ,Entweder – Oder’ enthält Aussprüche führender Deutscher Christen, die erst recht Klarheit schaffen. So sagt Reichsvikar Engelke: ,Gott hat sich nicht in Jesus Christus, sondern in Adolf Hitler offenbart.’ Reichsbischof Müller: ,Der Abendmahlswein ist das Zeichen des in uns ewig pulsierenden Blutes, das Abendmahlsbrot die Frucht des deutschen Bodens’ ” („Nationalzeitung”, Basel, vom 14. Mai 1937).

    Die Verwirrung in der deutschen Bekenntniskirche rührt ohne Zweifel auch daher, daß manche Pfarrer Kompromisse geschlossen haben, und daß vielen das rechte Verständnis dafür fehlt, daß die in Römer 13 erwähnten Obrigkeiten nicht der weltliche Staat, sondern Gottes und Christi Autorität sind.

    IV. KAPITEL

    Die Aufgabe des Christen

    Wie bereits im zweiten Kapitel dargelegt wurde, bedeutet „Christsein” das Befolgen der Gebote Gottes und Christi. „Christ” heißt Gesalbter oder Beauftragter, der eine besondere Mission auf der Erde zu erfüllen hat.

    Eine Ordination durch Menschen oder menschliche Organisationen hat keine Bedeutung. Gott selbst beauftragt durch sein Wort und salbt durch seinen Geist Menschen zu seinen Dienern und Knechten. Wenn solche Christen oder Gesalbte nicht den Geboten Gottes gehorchen, hören sie auf, Christen zu sein. Sie haben keine Wahl; und wenn sie verfehlen, Gottes Gesetz zu halten, so hat ihr Ungehorsam die ewige Vernichtung zur Folge.

    Falls nun ein Gebot oder Gesetz der Menschen im Widerspruch zu dem Gesetz des Höchsten steht, so muß ein Christ Gottes Gesetz befolgen, auch dann, wenn er dadurch mit den Gesetzen des Staates in Konflikt kommt.

    Die Apostel legten diese Regel fest, als sie vor Gericht in Jerusalem sagten: „Man muß Gott mehr gehorchen als Menschen” (Apostelgeschichte 5: 29).

    Jesus und seine Apostel gingen von Ort zu Ort, von Haus zu Haus und verkündeten die Wahrheitsbotschaft vom Reiche Gottes (Matth. 10: 7-14; Apostelgeschichte 20: 20).

    Jehovas Zeugen

    Dem Beispiel Christi Jesu und seiner Apostel folgend, gehen nun Christen, die unter dem Namen „Jehovas Zeugen” bekannt sind, heute von Haus zu Haus und predigen den Menschen das Evangelium vom Königreich, indem sie mit ihnen sprechen und ihre Aufmerksamkeit auf die Königreichsbotschaft in gedruckter Form lenken, wie ihnen in folgenden Schriftstellen geboten wird: ,,... du wirst mit einem neuen Namen genannt werden, welchen der Mund Jehovas bestimmen wird” (Jesaja 62: 2). „Ihr seid meine Zeugen, spricht Jehova” (Jesaja 43:10).

    Diese Christen haben erkannt, daß Jehova der große, allmächtige Gott ist, daß er über allen steht und sein Name gerechtfertigt werden muß. Sie wissen, daß Jesus sein erster Vertreter und Rechtfertiger ist, und daß die Zeit herbeigekommen ist, wo die große Streitfrage „Wer ist der Höchste?”, die sich durch des Teufels Herausforderung erhoben hat, für immer geregelt werden wird. Darum hat Jehova Gott Christus Jesus gesandt und ihn auf seinen Thron der Macht erhoben, den er nun in Autorität und Herrlichkeit einnimmt (Psalm 2:6). Jehovas Königreich ist gekommen, und Christus, das Haupt des Königreiches, ist in Tätigkeit getreten, indem er dieses Zeugniswerk auf Erden leitet. Er wird dieses Werk zu Ende führen, und dessen Vollendung wird eine Bekundung der Macht Jehovas in der vollständigen Rechtfertigung seines Namens sein. Sein Königreich wird dann die Befreiung der Gehorsamen bewirken und ewigen Frieden auf Erden für die Menschen guten Willens bringen. Das ist die frohe Botschaft oder das Evangelium, und alle, die Gerechtigkeit wünschen und lieben, werden sich freuen, es zu hören. Darum gibt Gott der Herr allen treuen Nachfolgern Christi Jesu das Gebot: „Und allen Nationen muß zuvor das Evangelium gepredigt werden” (Markus 13: 10).

    Diese Zeugnistätigkeit wird bald vollendet sein; und wenn sie beendet ist, was wird dann folgen? – Jesus gibt uns die Antwort: „Alsdann wird große Drangsal sein, dergleichen von Anfang der Welt bis jetzthin nicht gewesen ist, noch je sein wird” (Matth. 24: 21). Diese große Drangsal wird sich über die ganze Erde erstrecken, und sie bedeutet das Ende und die vollständige Vernichtung der Organisation Satans und seiner Macht. Das ist die Schlacht des großen Tages des allmächtigen Gottes. Dort wird Jehova alle seine Feinde vernichten und das Recht der Mission der Zeugen Jehovas bestätigen.

    Organisation und Werk

    Als Gottes Zeit gekommen war, daß die Bibel von neuem verstanden und ein weltweites Zeugnis vom Reiche Gottes auf Erden gegeben werden sollte, schlossen sich im Jahre 1884 Christen, die sich an die Bibel als Gottes Wort hielten, zusammen, um miteinander die Bibel zu erforschen und die Erkenntnis derselben ihren Mitmenschen zu übermitteln.

    Prof. D. Karl Barth

    Basel, den 2. Februar 1937.

    st. Albanring 186

    BASEL

    Herrn Direktor Horbeck Allmendstr. 39

    Bern

    Sehr geehrter Herr Direktor!

    Auf Ihren Wunsch bestätige ich Ihnen gerne schriftlich: Die "Zeugen Jehovas" (Ernste Bibelforscher) sind mir bekannt als eine besonders an den biblischen Weissagungen interessierte regligiöse Richtung. Wenn sichddiesem besonderen Interesse entsprechend, ihre Verkündigung mit politischen Gedanken berühren mag, wie dies auch in der Verkündigung der reformierten Landeskirche, sofern sie biblisch ist, der Fall sein muss, so ist doch diese Berührung mit einem Uebergang zur politischen Rede oder Tat nicht zu verwechseln. Die Beschuldigung, dass die "Zeugen Jehovas" mit den Kommunisten Zusammenhängen,kann nur auf einem unfreiwilligen oder auch absichtlichen Missverständnis beruhen.

    Mit freundlichem Gruss?

    Ihr

    Theologisches Gutachten

    Seite 66

    So wurde die amerikanische „Watch Tower Bible and Tract Society” (Hauptorganisation der Zeugen Jehovas) im Jahre 1884 im Staate Pennsylvanien in den Vereinigten Staaten gegründet und – um ihre Rechte zu schützen – auch nach den Gesetzen der übrigen Länder als gesetzmäßige Körperschaft eingetragen.

    Die Statuten dieser Gesellschaft wurden erst kürzlich vom Staatssekretär der Vereinigten Staaten als gesetzmäßig bestätigt. Die Tätigkeit der Gesellschaft hat sich sehr schnell über die ganze Erde aus gebreitet, und sie erfüllt ihre wichtige Aufgabe, die in den Statuten wie folgt festgelegt ist:

    „Die Verbreitung biblischer Wahrheiten in verschiedenen Sprachen mittels Traktaten, Flugschriften, Zeitungen und anderer biblischer Literatur, ferner durch jedes andere gesetzliche Mittel, welches der rechtmäßig ernannte Verwaltungsrat zur Erreichung des erwähnten Zweckes als dienlich erachtet.”

    Die „Watch Tower Bible and Tract Society” besitzt in verschiedenen Ländern Grundeigentum, etliche moderne Druckereien, in welchen die bibelerläuternden Bücher und Schriften, verfaßt von J. F. Rutherford, in Millionenauflagen in 70 Sprachen hergestellt werden. Die Verbreitung dieser Bücher durch Jehovas Zeugen hat in den letzten 15 Jahren die ungeheure Ziffer von 250 000 000 überschritten.

    Weil die Bücher zum Teil verschenkt und zum Teil zu den sehr niedrigen Selbstkosten verbreitet werden, ist die Frage gestellt worden: Woher nehmen die Zeugen Jehovas das Geld? Sie beanspruchen weder den Staat noch das Volk durch Kollekten noch werden sie durch andere Organisationen unterstützt.

    Wenn nun in einem nachfolgenden Kapitel bewiesen wird, daß Jehovas Zeugen bereit sind, selbst ihr Leben für ihren Glauben zu opfern, so dürfte es nicht schwerfallen, anzunehmen, daß ihre Tätigkeit überhaupt auf Selbstlosigkeit beruht und daß Leute, denen ihr eigenes Leben nicht teuer ist, beider Erfüllung ihrer gottgegebenen Aufgabe auch imstande sind, die notwendigen finanziellen Mittel aus eigener Tasche aufzubringen. Wer jemals mit den Zeugen Jehovas in nähere Berührung kam und ihre Versammlungen besuchte, wird darüber keinen Zweifel haben, daß hier wahre, christliche Selbstaufopferung geübt wird und nichts anderes.

    Um jedoch mißtrauischen Steuerbehörden und gewissenlosen Verleumdern entgegenzutreten, sind einige Urkunden erstellt worden, die wir in einem nachfolgenden Kapitel wiedergeben zur unwiderlegbaren Beweisführung, daß die Zeugen Jehovas keine fremden oder geheimen Geldgeber haben, sondern ihr gemeinnütziges Werk zum Tröste von Millionen gutgesinnter Menschen völlig aus eigenen Mitteln bestreiten.

    Gegnerschaft

    Jesus prophezeite, daß seine Jünger und Nachfolger um seines Namens willen von allen Nationen gehaßt und verfolgt werden würden (Matth. 10), und Petrus schrieb: „Denn hierzu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten, euch ein Beispiel hinterlassend, auf daß ihr seinen Fußstapfen nachfolget” (1. Petrus 2: 21).

    Jeder, der die Geschichte des Christentums kennt, weiß, daß die wahren Nachfolger Jesu Christi wegen ihrer Treue zu Gott und wegen ihres Bekenntnisses zur biblischen Wahrheit von jeher verfolgt wurden. Wir erinnern an die blutige Inquisition im finstern Mittelalter, der viele tausend Unschuldige zum Opfer fielen.

    Moderne Ketzer

    Jehovas Zeugen – früher Bibelforscher genannt – sind Ketzer der Gegenwart. Was für Leute sind denn die Zeugen Jehovas, die in der letzten Zeit soviel von sich reden machen? Wer über sie nicht gut unterrichtet ist, nennt sie eine religiöse Sekte, wie soviele andere. Diese Bezeichnung ist aber unrichtig und entspricht nicht den Tatsachen, wie man sehen wird.

    Die Zeugen Jehovas sind durchweg schlichte Männer und Frauen, die sich in Aufrichtigkeit Gott völlig geweiht haben und sich ernstlich bemühen, in Treue und Gehorsam gegen Gottes Gebote in den Fußstapfen Christi zu wandeln. Sie sind darum keine Sekte, die einen neuen Religionskult einführen will, oder arme Fanatiker, die sich von irgendeinem Menschen leiten lassen, sondern sie sind einfach Christen.

    Sie haben keine eigene Botschaft und betreiben auch keine eigennützige Propaganda, um für sich Anhänger zu gewinnen, sondern sie sind nur Zeugen, die von der Wahrheit Gottes Zeugnis ablegen, wie Gott ihnen befohlen hat.

    Daß Jehovas Zeugen, weil sie den wahrhaft christlichen Standpunkt in der Wahrheitsverkündigung einnehmen, furchtbare Verfolgungen erdulden müssen und so ihre Geradheit vor Gott bewahren, wird im „Zweiten Buch” dieser Dokumentensammlung berichtet.

    V. KAPITEL

    Die Verschwörung

    Eine Verschwörung ist im Gange, sich der Aufrichtung des Königreiches Gottes auf der Erde zu widersetzen, die Glaubensund Gewissensfreiheit aufzuheben, die freie Verkündigung der biblischen Wahrheitsbotschaft zu verunmöglichen und die mutigen Wahrheitszeugen auszurotten.

    Gemäß den prophetischen Aussprüchen der Heiligen Schrift ist eine solche Verschwörung am Ende der Welt Satans, wo Christus als König „herrscht inmitten seiner Feinde”, zu erwarten (Psalm 110: 2). In Psalm 2: 1 und Psalm 83: 3, 4 heißt es: „Warum toben die Nationen und sinnen Eitles die Völkerschaften? Es treten auf die Könige [Herrscher] der Erde, und die Fürsten ratschlagen miteinander wider Jehova und wider seinen Gesalbten: Lasset uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile.” „Wider dein Volk machen sie listige Anschläge. Sie sprechen: Kommet und lasset uns sie vertilgen, daß sie keine Nation mehr seien.”

    Vatikanische Weltpolitik

    Das Dogma der katholischen Kirche über Gewalt und Weltherrschaftsanspruch ist bekannt, und daß die Pflicht des Katholiken, dem Staat zu gehorchen, seiner Pflicht, der Kirche zu gehorchen, untergeordnet ist. Papst Bonifazius VIII. lehrt in seiner dogmatischen Bulle „unam sanctam”, in der er die Kirchengewalt und die Staatsgewalt mit den beiden im Evangelium erwähnten Schwertern vergleicht, daß die weltliche Gewalt der geistlichen, nämlich der päpstlichen, unterworfen sein müsse.

    Der frühere Jesuit Graf Paul von Hoensbroech zitiert aus dem Zentralorgan des Jesuitenordens „Civila cattolica” folgendes: „Was augenscheinlich zur Domäne des Staates gehört, wie die rein bürgerlichen und politischen Angelegenheiten, das ist vollkommen gesichert gegen jede Gefahr des Eingriffes von Seiten der kirchlichen Gewalt. Bei den Berührungspunkten ist allerdings die Grenzlinie nicht immer klar erkennbar. Aber auch hier ist ein Streit zwischen Staat und Kirche unerlaubt. (Roma locuta causa finita.) Denn weil jener dieser untergeordnet ist, hat nach ehrfurchtsvollen Demonstrationen und vernünftigen Diskussionen immer die Kirche den entstandenen Streit zu entscheiden, und es steht dem Staate ebensowenig zu, sich dieser Entscheidung zu widersetzen, wie einem niederen Gerichtshöfe, sich gegen die Entscheidung eines höheren aufzulehnen. . .”

    Der Jesuit Liberatore (La Chiesa e lo Stato. Neapel 1871) schreibt unter anderem: „Dem Papste müssen die bürgerlichen Herrscher untergeordnet sein ... Die Ausübung der Autorität des politischen Herrschers ist dem Papste unterworfen, so daß er in Hinsicht des geistlichen Zweckes sie leiten und zuweilen ihre Handlungen vorschreiben oder verbieten muß. Der Papst ist der höchste Richter der bürgerlichen Gesetze. Die ganze Welt ist ein dem Papste eigentümlich gehöriges Territorium ...” (Ebendorf).

    So schrieb auch vor wenigen Jahren Papst Pius XI. in seiner Enzyklika „Casti Connubii”: „Wir ermahnen ernstlich im Herrn alle, welche die Zügel der Macht in den Händen haben, enge Harmonie und Freundschaft mit der Kirche Christi herzustellen und aufrecht zu erhalten ... Ein harmonisches Verhältnis (zwischen Kirche und Staat) Hegt in jedermanns Interesse, und wenn die zivile Macht sich in freundschaftlicher Weise mit der geistlichen Macht der Kirche zusammentut, wird dies notwendigerweise für beide Teile von großem Nutzen sein. . . ”

    „Dies (der Vatikan-Mussolini Pakt) könnte für alle sehr gut als schlagender Beweis dafür dienen, wie sogar in unserer Zeit, wo leider so oft die völlige Trennung der zivilen Macht von der Kirche und der Religion überhaupt gelehrt wird, die eine höchste Autorität verbunden und vereinigt werden kann mit der anderen, ohne Beeinträchtigung der Rechte und der Obergewalt eines der beiden Teile.”

    Die Bereitwilligkeit des Vatikans, mit allen weltlichen Staaten politische Beziehungen zu haben, bestätigen die geschichtlichen Ereignisse bis auf den heutigen Tag.

    Der Erfolg dieser Weltpolitik kommt zum Ausdruck in einem Aufruf des Luxemburger Komitees für die Feier des 15. Jahrestages der Krönung Papst Pius XI., in dem es heißt:

    „Dies ist ein Weltfest, da katholische, ungläubige und andersgläubige Regierungen ihn (den Papst, bezw. das durch ihn vertretene System) anerkennen als die gewaltigste Großmacht des Geistes. Über 30 Staaten unterhalten bei ihm Gesandtschaften.”

    Wie das Wirken der „Katholischen Aktion” zum Beispiel in den Vereinigten Staaten von einem Kenner der Sache beurteilt wird, zeigt folgendes Zitat aus dem Werk „Rome Stoops to Conquer” (Rom schickt sich an zur Eroberung) von Boyd Barrett, New York: „Tatsächlich erstreckt sich ein Großteil der Katholischen Aktion auf die Politik, ist eine politische Durchdringung, die Einträufelung einer neuen Kraft und Wirksamkeit in die politische Welt. Kardinal Pacelli hat in einem Schreiben, das er im Namen seiner Heiligkeit an die Kolumbus- Ritter richtete, in vorsichtigen Worten diese Ziele zugegeben.”

    Katholizismus und Faschismus

    Katholizismus und Faschismus gehen in Italien Hand in Hand. Der Vatikanstaat ist durch Mussolinis Lateran vertrag überhaupt erst wieder zu einer offiziellen weltlichen Macht geworden; und diese „Aussöhnung” hat dem italienischen Staat schon als „Angeld” 1750 Millionen Lire gekostet, die in den päpstlichen Staatssäckel geflossen sind.

    Dort in Italien hat das Papsttum eine Verbindung zwischen autoritärem und hierarchischem Prinzip gefunden, die unter den heutigen Zeitverhältnissen seinen Zwecken am allerbesten dient und von ihm darum auch in andern Ländern angestrebt wird. Diese Geistesverwandtschaft ist klar herausgestellt in einem Artikel der „Neuen Zürcher Zeitung” vom 19. Februar 1936, der zur Zeit des abessinischen Krieges geschrieben wurde und wie folgt lautet:

    Mittagsausgabe vom 19. 2. 1936.

    „Rom 18. Febr. (Tel. unseres 8=Korr.) Wie in den letzten Monaten aus vielfachen Anzeichen immer deutlicher zu erkennen war, hat sich im Vatikan die Anschauung festgesetzt, daß die Frontstellung von über 50 Staaten gegen das kriegführende Italien nicht einfach die mechanische Folge des Völkerbundsverdiktes sei, durch das Italien zum Angreifer abgestempelt wurde, sondern daß von gewissen Mächten der Fall Italien-Abessinien lediglich zum Vorwand genommen worden sei, um einen organisierten Vorstoß gegen das insbesondere von Italien vertretene autoritäre und hierarchische Regierungsprinzip zu unternehmen. Da sich nun die katholische Kirche mit dem Grundsatz der Hierarchie identifiziert, fühlte sich mittelbar auch der Vatikan durch eine Kampagne betroffen, die auf Vernichtung dieses Grundsatzes gerichtet ist. Vor allem waren es zwei politische Ereignisse der letzten Zeit, die den Vatikan in seiner Auffassung bestärkten und ihn die Lage um so bedrohlicher erscheinen ließen, nämlich die politischen Besprechungen, die nach dem Tode König Georgs V. von England in London und Paris stattfanden, wobei sich die Tendenz äußerte, Sowjetrußland einen größeren Spielraum in Europa und vornehmlich im Donaubecken einzuräumen, und zwar auf Kosten Italiens; ferner die Diskussionen in der französischen Kammer, die unabwendbar zur Ratifizierung des französischrussischen Hilfspaktes führen werden. Nach vatikanischer Auffassung deuten diese Vorgänge auf eine ,Einigung zwischen der Weltfreimaurerei, dem Bolschewismus und anschließend dem Anglikanismus und gewissen Gruppen des Liberalismus und der Demokratie’.

    Um einer solchen ,Koalition antihierarchischer Kräfte’ zu begegnen, hat in der vergangenen Woche, wie wir aus sicherer Quelle vernehmen, im Vatikan eine Geheime Versammlung der Kardinale stattgefunden, die der politischen Führung der katholischen Kirche beigeordnet sind, also von Kurienkardinälen, die dem Staatssekretariat und einigen Kongregationen angehören. In der Versammlung wurde die krisenhafte Lage der europäischen Politik erörtert, mit besonderer Berücksichtigung der Gefahren, die daraus für die Kirche erwachsen könnten; zugleich hat die Versammlung die Mittel ins Auge gefaßt, um dieser gegen die Prinzipien der Autorität und der Hierarchie gerichteten Front zu begegnen. Der gesamte Weltkatholizismus soll ,militant in Front gestellt’ werden, um die hierarchische Überlieferung der Kirche gegen die zerstörenden Kräfte’ der wieder aktiv gewordenen Freimaurerei und des Bolschewismus zu verteidigen.

    Auf diesem Hintergrund zeichnen sich auch die Motive der vatikanischen Solidarität mit dem faschistischen, den Grundsatz der Hierarchie in seinem Gesamtaufbau klarstellenden Regime Mussolinis ab. Es handelt sich nicht um eine Solidarität und um eine Identifizierung des Vatikans mit den nationalen Beweggründen des Faschismus, sondern um eine Anerkennung und Stützung seiner geistig-ethisch-politischen Gehalte.”

    Der katholische Bischof Hudal, Rektor eines Kulturinstituts in Rom und aktiver vatikanischer Politiker, erklärte: „Der Faschismus hat in kluger Weise das Problem ,Staat, Nation, Kirche, Religion, Politik’ gelöst. Ich bekenne mich zu einer Bindung von Christentum und Nationalismus.”

    Telegramme im Sinne des nachstehenden sind in Italien keine Seltenheit:

    „Das katholische Italien, vertreten durch Tausende zum Eucharistischen Landeskongreß zusammengekommene Katholiken, im Beisein des päpstlichen Kardinalslegaten, der geistlichen, politischen, Militär- und Zivilbehörden, bittet Jesus im Abendmahl für die Wohlfahrt und immer neue Größe des geliebten Vaterlandes, für ihre geschlossene und starke Regierung.”

    Adressiert war dieses Telegramm an Mussolini, zu einer Zeit, wo für die „immer neue Größe” des Landes Tausende von Abessiniern in ihrer Heimat abgeschlachtet wurden; und diese Wünsche wurden unter Berufung auf eines der „heiligsten Sakramente” im Beisein des Papstvertreters zum Ausdruck gebracht!

    Unter der gesamten italienischen Hierarchie hat sich keine einzige Stimme gegen die Metzeleien in Abessinien erhoben.

    Die Beziehung des Katholizismus zum Faschismus wird auch in folgendem Artikel aus der Lodzer Volks-Zeitung vom 3. Sept. 1936 bestätigt: „... Die Kirche, sonst nicht verlegen um Stellungnahme auch in politischen Fragen, hat von allem Anfang an mit dem National-Sozialismus zu paktieren versucht. Mit einem System, dem das gegebene Wort nie etwas anderes als Gelegenheit zum Wortbruch war, hat sie das Konkordat abgeschlossen. Es wurde nie eingehalten. Die Kirche zieht daraus nur einen Schluß: man muß sich Hitler anbieten als Verbündeten wider den Bolschewismus.

    Der Hirtenbrief der katholischen Bischöfe Deutschlands schwärmt Hitler an: ,Möge es unserem Führer mit Gottes Hilfe gelingen, dieses ungeheuer schwere Werk (die Säuberung Europas vom Bolschewismus) in Unerschütterlichkeit und unter treuer Mitwirkung aller Volksgenossen zu lösen.’ Der Hirtenbrief der katholischen Bischöfe Deutschlands anerkennt damit jenen Mann – unter dessen Verantwortung der Kulturkampf gegen Kirche und Katholizismus geführt, unter dessen Verantwortung die Nacht vom 30. Juni zu einer so entsetzlich blutigen, auch für die Katholiken so opferreichen, gemacht wurde – als Werkzeug Gottes!

    Sie macht sich auf der ganzen Linie zum Bundesgenossen des Faschismus!

    Es ist eine Entscheidung von ungeheurer Tragweite, die die Kirche in diesen Tagen fällt. Eine Entscheidung, die viele Katholiken vor bange Gewissenszweifel stellen wird, vor die Zweifel, ob sie als gute Christen sich gegen die Freiheit stellen und sich demütig zur eigenen Versklavung stellen müssen. Bewußt entzieht sich die Kirche der Möglichkeit, für die vom Faschismus gequälten, von ihm entrechteten, auch religiös entrechteten Menschen einzutreten, – ja selbst auch der Möglichkeit, politisch neutral zu bleiben! Sie reiht sich in die politische Kampffront ein auf der Seite des alle Freiheit bedrohenden Faschismus. Eine Wahl, die gewiß auch den kämpfenden Arbeitern nicht gleichgültig ist. Aber eine Entscheidung, die sich in der Zukunft verhängnisvoller für die Kirche als für die Arbeiter auswirken wird.”

    Kreuzzug gegen den Bolschewismus

    Der Vatikan hat den Ruf zum gemeinsamen Kampf gegen den Bolschewismus zuerst erhoben. Die Taktik dabei ist, das Gespenst des Kommunismus so groß und schwarz wie möglich an die Wand zu malen, ihn für eine augenblicklich drohende Gefahr zu erklären, auf diese Weise einen „Staatsnotstand” zu begründen und zu diktatorischen Maßnahmen zu veranlassen, die sich dann auf alles andere, nur nicht auf den Bolschewismus beziehen.

    Schon vor Jahren warf sich der Vatikan zum Vorkämpfer einer anti-sowjetrussischen Gleichschaltung der europäischen Politik auf. Besonders stark trieb er diese Propaganda in Deutschland, und mit solchem päpstlichen Werbematerial ausgestattet, legte der Nationalsozialismus seinen Weg zur Macht zurück. Man lese nachstehenden Auszug aus einem Artikel der Basler „Nationalzeitung”, der schon am 16. April 1930, also Jahre vor dem Aufkommen Hitlers, erschien. Er ist noch heute aktuell, mit dem Unterschied, daß sich in Deutschland die „Kreuzzugs-Abenteurer” nicht nur gemeldet, sondern inzwischen fest in den Sattel geschwungen haben und auf ihrem Zug ,gegen den Bolschewismus’ Tausende deutscher Bürger und ehrlicher Christen niedertrampeln. Der Artikel lautet:

    „Wieder wie im 11. Jahrhundert gegen den Islam, so wird es heute urplötzlich auf allen römisch-katholischen Kanzeln gegen Sowjetrußland lebendig. Wieder wie damals sind die leidenschaftlichsten Redner und Propagandisten Mönche und Geistliche. Offen und eindeutig rufen sie wie zur Zeit der Gegenreformation die Jesuiten zum Kreuzzug auf. Diesmal gegen Rußland ... Schon melden sich denn auch wie einst zur Zeit der Kreuzzüge die Abenteurer ganz Westeuropas, besonders jene Deutschlands, in der Hoffnung auf den neuen Kreuzzug. Und der ,Jung-Stahlhelm’ schrieb auf den päpstlichen Aufruf hin ganz im Stil des frühen Mittelalters: ,Hilf, Herr Christe, Helm auf, treibt die Rosse mit Macht, in der Jungfrau Namen hinein in die Schlacht.’... ,Wenn die Welt aus tausend Wunden blutet und die Sprachen der Völker verwirrt sind wie in Babylon, dann schlägt die Stunde der Katholischen Kirche’, so erklärte mit dröhnendem Pathos der Münchner Kardinal von Faulhaber am 9. Februar des Jahres 1930 ... An Europa aber wird es liegen, ob es noch einmal, wie einst zur Zeit der Kreuzzüge, der Gegenreformation und des Dreißigjährigen Krieges im Dienste des Papstes aus aber tausend Wunden verbluten will.”

    Spanische Verschwörung

    Von allen Kennern der Verhältnisse wird zugegeben, daß das, was heute in Spanien vor sich geht, ein Religionskrieg ist. Die spanische Leitung der „Katholischen Aktion” spielte eine bedeutende Rolle bei der Vorarbeit für den Auf stand. Hierüber schrieb die Madrider Tageszeitung „ABC” am 26. August 1936:

    „Wir wissen, daß Gil Robles (der Führer der katholischen Partei) während der Monate Februar und März in einem Palast in der Straße de Velasquez mit gewissen Bankiers, hohen geistlichen Würdenträgern und Offizieren der Armee Konferenzen abzuhalten pflegte. Diesen Konferenzen wohnten auch persönliche Vertreter des Senor Herrera bei.”

    Angel Herrera ist Präsident der Katholischen Aktion in Spanien! Die Zürcher Tageszeitung „Volksrecht” schrieb am 3. September 1937 folgendes:

    …